Grenzgänger - Zwischen Fakten und Fiktionen

logo 04.12.2006

Bernhard Pörksen und Joan Kristin Bleicher beleuchten aktuell zur Jubiläumsausgabe des Magazins "Tempo" Geschichte und Gegenwart des "New Journalism"

Wiesbaden, 04. Dezember 2006. Zehn Jahre ist es her, dass das Magazin Tempo eingestellt wurde - die Zeitschrift verstand sich zu ihrer Zeit als wichtigstes Organ eines erzählerischen und radikal subjektiven New Journalism in Deutschland, der sich vom Informationsjournalismus abzugrenzen versuchte. Zehn Jahre später will der ehemalige Chefredakteur Markus Peichl jetzt eine einmalige Jubiläumsausgabe unter Beteiligung ehemaliger Mitstreiter herausbringen. Sie kommt am 8. Dezember in den Handel. Dieses publizistische Revival könnte die Debatte um das viel diskutierte Verhältnis zwischen Fakten und Fiktionen und die ambivalente Allianz von Journalismus und Literatur wiederaufflackern lassen. Bernhard Pörksen und Joan Kristin Bleicher weisen in ihrem Sammelband Grenzgänger mehrfach darauf hin, dass diese Integration literarischer Erzählmuster in journalistische Verfahren keineswegs neu ist - auch wenn der New Journalism in Deutschland erst in den 80er Jahren, eben vor allem mit dem Erscheinen von 'Tempo', eine institutionelle Verankerung fand. Professor Bernhard Pörksen: "Tempo war ein geniales Experiment - mit allen Risiken und Nebenwirkungen für den deutschsprachigen Journalismus insgesamt."

Ende der 90er Jahre brachten der Skandal um Tom Kummer und die medienwirksame Entlarvung seiner im SZ Magazin erschienenen gefälschten Interviews dem New Journalism einen negativen Beigeschmack ein. Der Fall brachte die Auseinandersetzung über Schein und Realität in den Medien erneut ins Rollen und ließ einen mancherorts nach wie vor florierenden, vom New Journalism als naiv kritisierten Objektivitätsbegriff wiederaufleben. Vor diesem Hintergrund erscheint die in der Sammlung von Pörksen und Bleicher geleistete umfangreiche Auseinandersetzung mit den "Grenzgängern", die jenseits von Dichtung und Wahrheit agieren, umso wichtiger. Das Buch beleuchtet Geschichte und Gegenwart des New Journalism, es beschreibt die Vorbilder und Vorläufer, analysiert die Schreibweisen und die Publikationsorgane und belegt den Einfluss dieser Mischform auf eine ganze Generation deutschsprachiger Autoren. Stets geht es in den einzelnen Beiträgen um folgende Fragen: Vermag der New Journalism dem klassischen Informationsjournalismus und auch dem literarischen Realismus wesentliche Impulse zu geben? Oder ist New Journalism Ausdruck und Manifestation einer problematischen Verwischung tradierter Grenzen? Haben New Journalism, Borderline- und Gonzo-Journalismus ein Klima geschaffen haben, in dem auch Fälschungen legitim erscheinen?

Dr. Joan Kristin Bleicher ist Professorin für Medienwissenschaft am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg. Dr. Bernhard Pörksen ist Professor am Institut für Journalistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg.

Die Autoren stehen für Experteninterviews gern zur Verfügung.

Der VS Verlag für Sozialwissenschaften mit Sitz in Wiesbaden ist ein Unternehmen der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media, Berlin.

Kontakt VS Verlag für Sozialwissenschaften:
Karen Ehrhardt
PR-Referentin
Tel.: 0611-7878-394
Fax: 0611-7878-451
E-Mail: E-Mail an Karen Ehrhardt

Bibliografie:
Grenzgänger
Formen des New Journalism
von Joan Kristin Bleicher und Bernhard Pörksen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2004.
ISBN 3-351-14096-4
send print AddThis Feed Button
 
E-Mail-Adresse


Sind Sie Dozent?

Passwort vergessen?
Passwort


 Ja   Nein

 


ALLE ZEITSCHRIFTEN