Ausländer als Salz in der Fußball-Suppe

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VS-Autorin Marion Müller zur Bedeutung ethnischer, nationaler und geschlechtlicher Differenzen im Profifußball

Wiesbaden, 04.08.2009. Warum stört sich beim Fußball eigentlich niemand daran, wenn Franz Beckenbauer über die 'angeborene Geschmeidigkeit der Afrikaner' sinniert oder die 'Ausländer', die dem 'Spiel die Würze geben'? Warum finden wir die Existenz von 'Ausländerregelungen' in der Bundesliga so selbstverständlich? Und weshalb ist die Vorstellung so abwegig, dass Frauen und Männer gemeinsam Fußball spielen? Pünktlich zum Start der Bundesligasaison 2009/2010 hat sich VS-Autorin Marion Müller in Fußball als Paradoxon der Moderne über diese Fragen Gedanken gemacht und anhand einer historischen Analyse des Fußballsports und ethnografischer Untersuchungen in drei Fußball-Bundesligaklubs Antworten gefunden.

In jedem anderen Gesellschaftsbereich wären derartige Diskriminierungen hochgradig legitimationspflichtig. Nur im Fußball bzw. im Sport werden nationale, ethnische sowie geschlechtliche Zuschreibungen unhinterfragt akzeptiert. "Man stelle sich nur einmal vor, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft spräche analog zu Beckenbauer über die unterschiedliche nationale Zugehörigkeit von Wissenschaftlern und würde beispielsweise die angeborene mathematische Begabung von Indern loben", macht Marion Müller die Erklärungsbedürftigkeit dieser Phänomene im Fußball deutlich. Das hieße zwar nicht, dass es diese Vorurteile nicht auch in Gesellschaftsbereichen wie Wissenschaft und Kunst gäbe, jedoch würden sie nicht so selbstverständlich ausgesprochen.

Die beiden Paradoxien des Fußballs - Ausschluss und Segregation auf der Basis zugeschriebener Merkmale in einem primär leistungsorientierten Kontext und territorial-nationale Bezüge in einem globalisierten Sport - bilden den Ausgangspunkt der Studie. Danach folgen zwei empirische Zugänge: Zunächst rekonstruiert Müller die historische Entstehung des modernen Fußballs und den Einfluss, den geschlechtliche, ethnische und nationale Differenzen auf diesen Prozess hatten. Anschließend klärt sie mit ethnographischen Fallstudien in den drei Bundesligaklubs 1. FSV Mainz 05, DSC Arminia Bielefeld und VfL Wolfsburg, ob und inwieweit das Leistungsprinzip durch partikulare Zuschreibungen gebrochen wird und wie die Akteure die oben beschriebenen Widersprüche in ihrer Alltagspraxis handhaben.

"Die Arbeit wirft eine neue Sichtweise auf das Alltagsphänomen Fußball, von dem man bereits dachte, alles zu wissen", so Marion Müller. Mit Hilfe ethnografischer Distanz gelingt es, die bisher als selbstverständlich akzeptierten Verknüpfungen zwischen Fußball und Nation sowie Fußball und Männlichkeit zu hinterfragen. Der Fußball dient hier als interessantes Beispiel für den Umgang mit partikularistischen Diskriminierungen in einem für moderne Gesellschaften typischen leistungsorientierten Kontext und bildet die Grundlage für weitere, daran anschließende Forschungsarbeiten zu Fragen sozialer Ungleichheit und kultureller Diversität - und zwar nicht nur im Sport.

Dr. Marion Müller ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld.

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Bibliografie:
Fußball als Paradoxon der Moderne
Zur Beschreibung ethnischer, nationaler und geschlechtlicher Differenzen im Profifußball
von Marion Müller
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009.
344 Seiten. Broschur.
EUR 34,90
ISBN 978-3-531-16608-7
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