Schweinegrippe: Lobby fürs Impfen?!

27.01.2011
Neue Untersuchung zum Einfluss von Lobbyisten auf die Durchführung der flächendeckenden Schweinegrippeimpfung in der Fachzeitschrift Publizistik erschienen
Wiesbaden, 27.01.2011. Zum Start der Bundesliga-Rückrunde gab es dieses Mal eine ungewöhnliche Meldung in den Sport-Nachrichten: 1. FC Köln vs. H1N1. Aber nicht nur aktuell, sondern bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 beschäftigte die Schweinegrippe die deutschen Medien. Von unterschiedlichen Seiten wurde wiederholt der Vorwurf erhoben, die ausgedehnte Berichterstattung und die sich daraus ergebende flächendeckende Schweinegrippeimpfung sei das Ergebnis von Lobbying-Prozessen der Pharmaindustrie. Eine neue Studie macht Indizien für diese These aus. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift
aus dem Wiesbadener VS Verlag erschienen.
Die Schweinegrippeimpfung habe sich 2009 auf Grund oftmals niedriger journalistischer Qualität, der ungeprüften Wiedergabe von Pressemitteilungen und dem Verzicht auf weitere unabhängige Expertenmeinungen zu einem Thema von hohem Nachrichtenwert in einer nachrichtenarmen Phase – dem sogenannten Sommerloch – entwickeln können. Dass es sich dabei nicht um einen reinen Selbstläufer der Presse handele, sondern zusätzlich der Einfluss Dritter anzunehmen sein, zeige unter anderem die frühe umfassende Impfempfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO trotz größtenteils milder Krankheitsverläufe.
Das Team um Dr. Stefan Jarolimek vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Jena hat für die aktuelle Studie methodisches Neuland betreten. Nicht nur klassische Formen der öffentlichen Kommunikation haben die Wissenschaftler analysiert, sondern auch Formen vermeintlich nicht-öffentlicher Kommunikation. Nach der Auswertung von Inhaltsanalysen von Berichterstattungen und Pressemitteilungen, Interviews mit Fachjournalisten, Netzwerkanalysen und Internetrecherchen zu Biografien haben die Experten zwar keine Beweise für den Lobbying-Vorwurf ausmachen können, präsentieren aber eine Indizienkette für diese Behauptung.
Weitere Informationen:
Publizistik veröffentlicht viermal jährlich Beiträge aus Theorie und empirischer Forschung zu allen Bereichen der Kommunikationswissenschaft. Das kostet 119,- Euro. Der Preis für eine 1/1 Seite 4c beträgt 1.700,- Euro.
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