Die Welt der Gothics - Spielräume einer düsteren Transzendenz

logo 17.02.2005

Neue Studie im VS Verlag für Sozialwissenschaften erschienen

Wiesbaden, 17. Februar 2005. Heute sind es keine geheimen Logen oder Orden mehr, in denen okkulte und satanische Praktiken stattfinden. An deren Stelle sind medien- und musikvermittelte Jugendszenen getreten. In der Buchreihe Erlebniswelten aus dem VS Verlag für Sozialwissenschaften ist jetzt die erste Studie zur Gothic-Kultur erschienen. Axel Schmidt und Klaus Neumann-Braun (beide Universität Koblenz-Landau) haben für Die Welt der Gothics über zwei Jahre hinweg die Szene beobachtet und zahlreiche Gespräche mit Jugendlichen geführt. Die Studie schließt eine Forschungslücke: Vor allem Problemjugendliche gelten als anfällig für satanistisches und extremistisches Gedankengut. In bisherigen Studien wurde dieser Sachverhalt vernachlässigt.

Zentrales Ergebnis der Untersuchung: "Die schwarze Szene ist zunächst funktional äquivalent mit anderen postmodernen Suchbewegungen zu begreifen. Sie ist also keine 'Gemeinschaft der Einsamen' oder der 'einsamen Kinder'. Sie ist eher als 'Gemeinschaft der Unzufriedenen und Enttäuschten' bzw. als von der Gesellschaft und deren Sinnangeboten und Lebensformen ernüchterten Heranwachsenden zu verstehen.", so die Autoren Axel Schmidt und Klaus Neumann-Braun. Die Koblenzer Soziologen beleuchten dazu zunächst den aktuellen Forschungsstand zum Thema satanistische Praktiken, Okkultismus unter Jugendlichen und zur schwarzen Szene allgemein. Es folgen ausführliche Feldberichte über Clubs und Partys, einschlägige Musikfestivals sowie Auszüge aus den geführten Interviews. Darin äußern sich Jugendliche, wie sie zur Szene gekommen sind und welche Überzeugungen dort vorherrschen. Neumann-Braun und Schmidt leiten daraus die alltagsästhetischen Praxen sowie die typischen Interaktions- und Vergemeinschaftungsmuster ab. Weiterhin untersuchen die Autoren die zentrale Rolle von Distinktion, Tod und Religion. Der "schwarzen Musik" - als zentralem Element der Szene - ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Der VS Verlag für Sozialwissenschaften mit Sitz in Wiesbaden ist ein Unternehmen der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media, Berlin.
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