Schlechte Bildungschancen junger Migranten

logo 23.11.2005

Zusammenhang von Migration und Bildung in Deutschland / Neuer Sammelband formuliert Lösungen

Wiesbaden, 23. November 2005. Mit den Bildungschancen für ausländische Jugendliche in Deutschland ist es nicht zum besten bestellt. Beide PISA-Studien haben übereinstimmend gezeigt, dass ihre Bildungsbenachteiligung deutlich ausgeprägt ist und ihr relativer Schulmisserfolg stabil bleibt. Viele Jugendliche finden - einmal auf der Seite der "Bildungsverlierer" - auch später keinen Ausweg und landen in der Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe. Franz Hamburger, Tarek Badawia und Merle Hummrich haben einen Sammelband herausgegeben, der die Bedingungen von Migration und Bildung in Deutschland genauer untersucht und den Versuch macht, wirkliche Lösungen für ein ernstes Problem zu formulieren.

Laut Hamburger ist mit den PISA-Vergleichsstudien eine neue Lage entstanden: Die schlechte internationale Positionierung des deutschen Schulwesens erzeugt hohen Legitimationsdruck, "die Schuldigen für das Versagen des Systems müssen gesucht und gefunden werden". (S. 7) Jedoch würden die Verantwortlichen aus Politik und Wissenschaft fatalerweise lediglich das Versagen der betroffenen Kinder beschreiben, nicht aber das Versagen des Systems, dass solches Schulversagen nicht zu verhindern weiß. Seine Gesamtbilanz fällt ambivalent aus: In den speziellen Angeboten der Jugendhilfe und in der "Offenen Jugendarbeit" mit niedrigen Zugangsschwellen (z.B. Jugendzentren) sind Migrantenjugendliche sehr häufig zu finden. Trotz dieser Bemühungen und Programme aber sind ausländische Jugendliche im Ausbildungssystem bei weitem nicht so vertreten, wie dies zu erwarten wäre: Ein großer Anteil bleibt hier ohne jegliche Qualifikation - "wahrscheinlich mehr als die Hälfte". (S. 21) Die Autoren im Sammelband bestätigen diese Reproduktion von Armut und Arbeitslosigkeit durch das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem und zeigen gleichzeitig auch die relevanten Prozesse auf, die zum bescheidenen Bildungserfolg der Migrantenkinder beitragen.

Dr. Franz Hamburger ist Professor für Sozialpädagogik am Pädagogischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dr. Tarek Badawia ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Pädagogischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dr. Merle Hummrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Schulforschung der Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Für Hintergrundgespräche oder Interviews steht Franz Hamburger gern zur Verfügung (Kontakt über Karen Ehrhardt, E-Mail an Karen Ehrhardt).

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Karen Ehrhardt
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E-Mail: E-Mail an Karen Ehrhardt


Bibliografie:

Migration und Bildung
Über das Verhältnis von Anerkennung und Zumutung in der Einwanderungsgesellschaft
von Franz Hamburger, Tarek Badawia und Merle Hummrich (Hg.)
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2005.
ISBN 3-351-14856-7
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